Faun-Skulptur bekommt Kopf und Arme zurück

Quelle: Sächsische Zeitung vom 17.01.2002 Klaus-Dieter Brühl (Text/Bild)

Bekannte Großenhainer Plastik wird rekonstruiert

Während das Freigelände der Landesgartenschau noch in winterlicher Stille unter Eis und Schnee ruht, herrscht bei den Innenarbeiten ein umso emsigeres Treiben -und das nicht nur im Kulturschloss und den Ausstellungshallen.
Im Atelier der Großenhainer Steinbildhauer-Firma von Hartmut Witschel zum Beispiel wird der Großenhainer Faun zu neuem Leben erweckt. Die bekannte Sandsteinfigur im alten Strandbad bot zuletzt einen tristen Anblick. Denn von dem bocksfüßigen, Panflöte spielenden Faun war nur noch ein Torso übrig geblieben.

Nur wenige Fotos gibt es von dem intakten Kunstwerk, das der in Großenhain geborene Dresdner Künstler Walter Rehn 1911 schuf, und das ursprünglich am Rande eines Brunnens auf dem Kupferberg seinen Platz hatte. So kam es für Steinbildhauer Frank Hofert zunächst darauf an, mit viel Phantasie und Einfühlungsvermögen die fehlenden Teile zu ersetzen. Dazu hat er sich auch intensiv mit der Persönlichkeit des Bildhauers beschäftigt. Jetzt ist der erste Schritt fast geschafft: Die Arme und der Kopf der Figur sind nach den alten Fotos in Gips nachmodelliert worden. Immer wieder hat der Steinbildhauer gemeinsam mit Firmenchef Hartmut Witschel den Fortschritt seiner Arbeit kritisch begutachtet.

Nun folgt bald der zweite Schritt: Aus Sandstein wird ein Ergänzungsstück gefertigt. Während die Gipsmodellierung von innen nach außen aufgetragen wurde, muss nun die Form aus dem Stein herausgearbeitet werden. Dann folgt ein Schnitt, und der vorhandene Teil der Figur wird mit dem neu gefertigten zu einem Ganzen verbunden.

Die restaurierte und ergänzte Figur wird ihren Platz auf dem Gelände der Gartenschau unterhalb der so genannten Faunhöhe erhalten und zusammen mit dem Brunnen vom Kupferberg den Absichten des Künstlers ohne Zweifel sehr nahe kommen.
Die SZ wird sicher nicht ganz so pathetisch berichten, wie das 1911 im Großenhainer Tageblatt bei der Erstaufstellung der Plastik geschah: „In aller Stille ist in der Schaffensstätte des Künstlers ein Werk zur Vollendung gereift und gestern aufgerichtet worden, das von der Einwohnerschaft mit hoher Freude begrüßt werden und einen wahrhaft edlen Schmuck unserer Stadt und ihrer nächsten Umgebung bilden wird."

Zum Bild: Steinbildhauer Frank Hofert bearbeitet die in Gips nachmodellierten Teile der Faun-Skulptur, die anschließend aus Sandstein gefertigt und mit dem Original-Torso verbunden werden. Der Faun wird seinen Platz zusammen mit dem Brunnen unterhalb der jetzigen Faunhöhe auf dem Gelände der Gartenschau erhalten.

     
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