Quelle: Sächsische Zeitung vom 23.05.2002
Sandsteinfigur wird gesäubert und erhält neuen Fuß
Jahrzehntelang stand er auf der Südseite des Daches der Semperoper in Dresden, seit einigen Tagen ist Macbeth in einer Ecke der Werkstatt des Großenhainer Steinmetzen Hartmut Witschel abgestellt. Trotzdem sind die Aussichten des schottischen Königs nicht schlecht. Die Sandsteinfigur soll aufpoliert werden. Denn der Zahn der Zeit nagt an der über 100 Jahre alten Skulptur: Der rechte Fuß ist verschollen, der Schwertknauf wackelt verdächtig, außerdem ziehen sich einige Risse und Löcher über die Oberfläche.
Zunächst einmal haben die Fachleute die Figur gründlich mit destillierten Wasser eingeweicht. „Wir müssen zuerst die Kruste und das Moos entfernen", sagt Hartmut Witschel. Dann greift der Meister zum Skalpell, um die Fugen zu säubern. Anschließend wird es ernst: Risse und Löcher müssen verfüllt, der Fuß ersetzt werden. „Dafür fertigen wir ein Gips-Modell. Als Vorlage dienen uns alte Fotos", erklärt der Steinmetz. Nach dem Modell wird dann das Körperteil aus Sandstein völlig neu gemeißelt. Bis Ende Juni sollen die Arbeiten erledigt sein.
Der Macbeth, zwischen 1871 und 1878 von Meister Gustav Boßmann entworfen und höchstwahrscheinlich auch gefertigt, ist in der Großenhainer Werkstatt in guter Gesellschaft. Direkt neben der historischen Gestalt liegen sandsteinerne Flammenvasen für die Frauenkirche, auf der anderen Seite des Hofes steht das Gipsmodell für eine Rauchvase — ebenfalls für die Frauenkirche bestimmt. Auch mit der Sanierung von Sandsteinskulpturen haben die Steinmetzen von Hartmut Witschel Erfahrung. Vor einigen Jahren reparierten sie den Apollo aus dem Zwinger sowie Bildhauerarbeiten aus Moritzburg und Sanssouci.
Der Macbeth gefiel Hartmut Witschel auf den ersten Blick. „Künstlerisch eine schöne, ausdrucksvolle Arbeit. Und mit seinen markanten Gesichtszügen, typisch für die Wagner-Zeit."
Zum Foto: Steinemtz Hartmut Witsche! säubert mit einem Skalpell die Fugen des Sandstein-Macbeth. Die Skulptur vom Dach der Semperoper wird in bis Ende Juni in der Großenhainer Werkstatt saniert.
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